Cranio2016-Titel Was ist und wie wirkt Craniosacral-Therapie?

In jedem von uns fließt zwischen Schädel (Cranium) und Kreuzbein (Sacrum) eine nährstoffreiche und vitale Flüssigkeit, der so genannte Liquor. Diese Rückenmarksflüssigkeit umspült unser Zentrales Nervensystem und steht mit dem Bewegungsapparat, Nerven-, Hormon- und Gefäßsystem in engem Kontakt. Sie pulsiert ständig im Rhythmus eines kosmischen Lebensatems, der alle Lebewesen verbindet. Wir können uns unseren Körper als ein Instrument vorstellen, das von dieser Kraft gespielt wird. Jedes Organ, jeder Knochen, ja jede Zelle unseres Körpers bewegt sich optimalerweise in diesem Rhythmus. Lassen wir uns davon bewegen, sprich: fließt der Liquor ungehindert, strahlt der Körper Gesundheit aus. Sträuben wir uns gegen den Strom des Lebens oder wird er durch äußere Einwirkung wie Unfälle, psychische Belastung, Stress etc. getrübt, kann daraus Krankheit resultieren. Die Aufgabe eines Therapeuten besteht darin, herauszufinden, welche Knochen oder Organe oder sonstige Strukturen sich nicht mit dem Lebensatem bewegen, die entsprechenden Stellen zu lösen und so für freien Fluss zu sorgen. Dann kann der Körper seine Kräfte wieder für Heilung anstatt für »Blockierung« einsetzen, das ist die so genannte »Aktivierung von Selbstheilungskräften«.

Wie ist die Craniosacral-Therapie entstanden?

Die Craniosacral-Therapie wurzelt in der Osteopathie. Schon deren Gründer, Dr. Andrew Taylor Still, bezeichnete 1874 den Liquor als »flüssiges Licht«. Die eigentliche Craniosacrale Behandlungsmethode wurde durch Dr. William Garner Sutherland in den fünfziger Jahren entwickelt. Er erforschte die Zusammenhänge von Seh- und Hörstörungen, von Kopfschmerz und ähnlichen Symptomen mit der pulsatilen Beweglichkeit des Schädelknochen, die für den freien Liquorfluss nötig ist. Ein eingeschränkter Liquorfluss, sei es durch Unfälle, Schockzustände, Muskelspannungen oder Operationen, wirkt sich negativ auf den Körper und die Vitalität aus.Durch Dr. Sutherland wurde die Erkenntnis, dass sich die Schädelknochen ganz sachte und minimal bewegen – sozusagen »atmen« – wieder salonfähig. Dies löste die weitverbreitete Meinung ab, dass alle Schädelknochen fest miteinander verwachsen seien. Heute ist erwiesen, dass der Körper um so gesünder ist, je freier der Liquor fließt und je leichter sich die Schädelknochen mit diesem »Lebensatem« bewegen können. Die Entdeckung Dr. Upledgers, dem in den siebziger Jahren die deutliche Bewegung der Rückenmarkshaut bei einer Operation auffiel, vertiefte die Erforschung dieser Ebbe- und Flut-Bewegung im Innersten unseres Körpers auf’s neue. Seither ist diese Arbeit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Das biodynamische Modell

Ein neueres Erklärungsmodell, das Lehrer wie Rollin Becker und Franklyn Sills und Michael Schubert vertreten, orientiert sich weniger an den äußeren Strukturen und legt statt dessen den Fokus auf die Kräfte, die uns bewegen. Demnach ist die „biodynamische Potency“ eine jedem Lebewesen innewohnende, ordnende Kraft. Sie sorgt für Gleichgewicht, Ordnung und immer wieder Reorganisation. Sie entsteht im Moment der Empfängnis und bleibt bis zum Tod. Sie wirkt in einer Art Magnetfeld, an dem sich der Körper und alle Gewebe immer wieder ausrichten, im kleinen wie im großen. Demnach besteht Craniosacral-Therapie darin, mit dieser Kraft in Kontakt zu treten und ihr zu ermöglichen, sich zum besten Nutzen des Patienten zu entfalten.

Wann ist es sinnvoll, Craniosacral-Therapie in Anspruch zu nehmen?

Die Craniosacral-Therapie eignet sich für jeden, der in Kontakt mit seinem Körper, seiner Seele und seiner Lebensenergie kommen möchte. Man muss keineswegs krank sein, um sich eine Behandlung zu gönnen. Sie ist eine wunderbare Möglichkeit, den Alltag hinter sich zu lassen, sich etwas Gutes zu tun und wieder in Kontakt mit seiner Kraft und Gesundheit zu kommen. Bewährte Beispiele für die Anwendung der Craniosacral-Therapie sind darüber hinaus: emotionale oder körperliche Traumata (auch Schleudertraumen), Migräne, Kopfschmerzen, Beckenschiefstände, Kiefergelenksbeschwerden, Zahnregulationen, Sprachschwierigkeiten, Lernschwierigkeiten, Konzentrationsschwäche, Ängste, Depressionen, Stress-Symptomatik, Erschöpfungszustände, Lumbalgien, Iliosacralgelenksbeschwerden, Ischiasbeschwerden, Durchblutungsstörungen, Wachstumsschwierigkeiten oder Infektanfälligkeit.

Die Craniosacral-Therapie ersetzt nicht die Behandlung eines guten Arztes.

Körperliche Symptome sind immer die Wegweiser, stehen jedoch niemals im Mittelpunkt der Behandlung. Die Ursachen liegen weit innen im Kern, im Wesen von uns, dorthin geht die Reise, über den Körper und mit dem Liquorfluss.

Craniosacral-Therapie bei Kindern und Jugendlichen
Die Craniosacral-Therapie ist bei Kindern und Säuglingen sehr wirkungsvoll und gut verträglich. Junge Menschen sind noch so nahe an ihrem Ursprung, dass es nur kleinster Anstöße bedarf, um ihr Körper-Energiesystem an seinen gesunden und heilen Zustand zu erinnern. Selbst nach schwierigen Geburten mit Traumatisierungen genügen meist wenige Behandlungen, um ihnen spätere aufwendige Dauerbehandlungen zu ersparen.


Hier gibt Michael Schubert seinem Sohn Jonathan (links im Bild) und seinem Sohn Iivo (rechts im Bild) eine Behandlung.

 

Craniosacral-Therapie bei Tieren
Ähnlich wie bei Kindern wirkt die Craniosacral-Therapie auch bei Tieren in der Regel sehr schnell und direkt. Oft reicht schon ein Gedanke aus, um Veränderungen zu erreichen. Die meisten Tiere genießen die achtsamen Berührungen sehr und entspannen sich bald unter den Händen eines guten Therapeuten. Bewährt hat sich die Craniosacral-Therapie vor allem bei Unregelmäßigkeiten im Bewegungsablauf, Verdauungs- oder Zyklusstörungen, zur Steigerung der Vitalität und zur Verminderung von Stress. Jungen Tieren kann mit ihr ein guter Start ins Leben ermöglicht werden, älteren Tieren verhilft sie zu mehr Beweglichkeit und Energie. Auch auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier kann sie einen positiven Einfluss haben.